Begriff und Beruf Kantorin / Kantor

Gefunden in der Anlage einer Heilbronner Tageszeitung

Nun, was ist eigentlich eine Kantorin, ein Kantor? Diese Berufsbezeichnung leitet sich ab von lat. canere, singen und bezeichnete ursprünglich den Vorsänger im sogenannten Gregorianischen Choral (1-stimmige Gesänge des Mittelalters, zusammengefasst durch Papst Gregor), später wurde der Gesangsmeister in Schule und Kirche so bezeichnet. Als im 20. Jahrhundert die evanglischen Kirchen hauptberufliche Kirchenmusikerstellen einrichteten, wurde diese Berufsbezeichnung wieder aufgegriffen.

"Was tun die?" Gute Frage! Zunächst einmal das, was alle hauptberuflich tätigen Musiker tun und tun müssen: Üben, üben, üben. Denn "von nix kommt nix". Hinsetzen und einfach Gottesdienst spielen? Geht auf Dauer nicht gut. Also: Sie sind zunächst mit der Musik rund um die verschiedensten Gottesdienste betraut, nicht nur am Sonntag Vormittag, sondern auch für spezielle ("Kasual-")gottesdienste wie zum Beispiel für Hochzeiten, für Schüler usw. Manche Gottesdienste verlangen extra Musik, um die sich die Kantorin/ der Kantor kümmert.

Beispielsweise mit Hilfe eines Chores. Denn eine Kantorin/ ein Kantor ist primär "Gesangsmeister", wie wir festgestellt haben. Die Vorbereitung der Chorproben, der Kontakt zu den Chormitgliedern und die Organisation von Konzerten (mit und ohne Chor), kurz: die vielfältigen Belange, die mit der Chorleitung zusammenhängen, gehören zu den aufwendigsten Tätigkeiten in diesem Beruf.

Gelegentlich gibt es noch die Beauftragung mit dem Unterrichten von Schülern an der Orgel oder in der Chorleitung, so dass diese später auch einmal nebenamtliche Kirchenmusikerinnen und -musiker werden oder Kirchenmusik studieren können. Ja, man kann Kirchenmusik studieren und bekommt hier eine recht breite Grundlage in verschiedenen musikalischen Fächern mit. Meistens bilden sich im Verlauf des Berufslebens bestimmte Schwerpunkte heraus, die je nach Persönlichkeit anders ausgeprägt sind: Singen, Chorleitung, Orgelspiel, musikalische Improvisation (Orgel), Komposition.

Es ist längst nicht alles gesagt zu diesem Beruf! Er ist sehr vielseitig und immer wieder äußerst interessant. Viele, die ihn ausüben, möchten mit niemandem tauschen!

Die Orgeln unserer Gemeinde

Geschichtliche und handwerkliche Zusammenhänge

Fünfzig Jahre alt wurde 2014 die Orgel in der Auferstehungskirche. Dieses Instrument, das wir gewöhnlich sofort mit „Kirche“ in Verbindung bringen, hat in vielfacher Hinsicht etwas besonderes an sich, und Mozart unterstreicht dies mit dem Ausdruck vom „König der Instrumente“ (maskuline Form). Als größtes Musikinstrument verlangt sie auch eine besondere Akustik (Nachhall), und klingt deshalb in Kirchen im allgemeinen am besten. Wo kommt sie her? Wurde sie vielleicht im fernen Rom erfunden und von dort aus zur Pflicht gemacht? Ganz verkehrt: Die erste Orgel war ein profanes(!) Geschenk des byzantinischen Kaisers an Karl den Großen - man schrieb das Jahr 812 - wurde aber in den Aachener Dom gestellt, nachgebaut und vielfach verbessert, vergrößert und schon vor hunderten von Jahren in ganz Europa mit allerlei Varianten weiter entwickelt. Von Europa aus schaffte sich die Orgel später Zutritt auf alle Kontinente. Ihr Ursprung liegt jedoch – in Ägypten! Und ist älter als die Christenheit, erfunden ca. 250 v. Chr.! Allerdings: Die westeuropäischen Christen haben es anfangs mit dem Gemeindegesang so gehalten, wie es in Osteuropa die orthodoxe Kirche noch heute hält: Dort wird nur gesungen, Orgeln waren wie alle Instrumente in der Frühzeit des Christentums – verboten!

Aufbau einer Orgel

Der Aufbau einer Orgel ist recht komplex. Eine Orgel mit Schleifladensystem, wie sie es unsere drei Böckinger Orgeln haben, besitzt mehrere größere Einheiten, die zu einander passen müssen: Das Pfeifenwerk, die Windanlage, das Gehäuse und die Spielanlage, die über die sogenannte Traktur (ein Zugsystem an jeder Taste) unterhalb einer „Schleiflade“1 die „Wind“-Zufuhr in die Pfeifen über Ventile steuert. Eine andere, davon unabhängige Steuerung erfolgt durch den Registerzug: Er bewegt eine „Schleife“: Das ist ein Brett mit Bohrungen im Durchmesser der Pfeifenfüße, die entweder den „Orgelwind“ in die Pfeifen strömen lässt oder bei Verschieben der Bohrungen diesen Weg für das ganze Register (Pfeifen gleicher Klangeigenschaften) für diesen versperrt. Der Orgelbau ist ein Kunsthandwerk, die klangliche Feinabstimmung am Ende eines Orgelneubaus (Intonation) erfordert auch heute noch höchstes handwerkliches wie musikalisches Einfühlungsvermögen und Geschick – wodurch letztlich auch jede echte Orgel einer elektronischen Kopie vorzuziehen ist.

Unsere älteste Orgel in der Auferstehungskirche ist mit ihren gerade einmal 50 Jahren noch nicht sehr alt, denn eine Orgel kann im Normalfall mehrere Menschenleben überdauern. Mit dem „Rückpositiv“, das ist das Teil-Orgelwerk in der Emporenbrüstung, hat man versucht, eine bestimmte klangliche (z.B. Echo-) Wirkung zu ermöglichen, wie sie beispielsweise in Norddeutschland im 16.-18. Jahrhundert regelmäßig angestrebt wurde: Das Rückpositiv ist präsenter im Raum und zum Melodie-Spiel besonders geeignet, dieses begleiten die „Flöten“ und „Gedackten“ aus dem Hauptwerk, das andererseits auch über die eigentlich klangmächtigen Register bis hin zur Mixtur (Klangkrone) und zu den durchdringenden Zungenpfeifen verfügt. Unsere zweitälteste Orgel (1979) in der Stadtkirche ist in das Gehäuse ihrer Vorgängerin (Anfang 20. Jahrhundert) gebaut und besitzt deshalb einen kunstvollen „neogotischen Prospekt“ (Vorderansicht). Klanglich wurde hier das Teilwerk von der übrigen Orgel nicht abgesetzt wie in der Auferstehungskirche, sondern im Gegenteil die Möglichkeit geschaffen, das an der hinteren Wand befindliche „Schwellwerk“ mit einer Fußvorrichtung organisch an- und ab-“schwellen“ zu lassen und die Lautstärkegrade des Instrumentes einander anzupassen. Fortgeführt wurde dieser Ansatz durch den Bau eines Koppelmanuals, das Haupt- und Schwellwerk unter Inkaufnahme eines zusätzlichen Kraftaufwands zusammen koppelt. Das Pedal hat eine dreifach ergonomisch optimierte Schweifung, wie sie auch an großen Orgeln und in Konzertsälen anzutreffen ist. Unsere jüngste Orgel in der Versöhnungskirche (2001) führt uns geschichtlich schon fast wieder an die Anfänge des Orgelbaus zurück: Kein Pedal, nur ein Manual (Klaviatur), aber immerhin unterschiedliche Register, darunter eines, das an jeder Orgel anzutreffen ist, nicht nur in Böckingen: Es ist das Prinzipal, das Rückgrat jeder Orgel und glänzt gut sichtbar an vorderster Front jeder Orgel - für die Liedbegleitung ist es unverzichtbar!

1 Diese ist zumindest die allgemein bewährteste technische Lösung.